Arthur´s Seat, Edinburgh
 

Reiseberichte über Schottland

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Auf Sand gebaut (von Udo Haafke)

 

Der Traum vom Fliegen währt schon so lange der Mensch des Denkens mächtig ist. Allerdings ging dieser begehrliche Wunsch nachhaltig erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Erfüllung, gehört indes mittlerweile zum Alltagsleben dazu. Fliegen, das ist vergleichbar mit und so selbstverständlich wie Bus fahren, lediglich auf einer etwas anderen Distanz. Die neuesten flugtechnischen Innovationen vermögen gar die komplette Bevölkerung eines Dorfes zu befördern. Von fliegerischer Romantik keine Spur mehr. Sie verliert sich in architektonisch beeindruckenden Terminals, in luftigen, bombastischen Konstruktionen aus Stahl und Glas und zwischen den schier endlosen, mit Flachbildschirm bestückten Sitzreihen moderner Großraumjets.

 

Aber es gibt auch noch Ausnahmen von ganz eigener Beschaulichkeit.

Der Flughafen der schottischen Insel Barra zählt zweifellos dazu. Die südlichste, bewohnte Insel der Äußeren Hebriden rühmt sich des weltweit einzigen Flugfeldes mit Linienflugverkehr, das sich auf einem Sandstrand befindet. Ebbe und Flut, die Gezeiten also, bestimmen den Flugplan der zweimotorigen Twin Otter Maschinen der britischen Fluggesellschaft FlyBe auf ihrer Route von Glasgow nach Barra und weiter auf die Nachbarinsel Benbecula und wieder retour.

15 Passagiere haben in dem urigen Hochdecker Platz. Service an Bord gibt es während des Fluges nicht, dafür wunderschöne Ausblicke auf die schottischen Western Highlands und die Inselwelt der Hebriden. Zudem können die Fluggäste Pilot und erstem Offizier bei der routinierten Ausübung ihres Tagwerks über die Schulter sehen. Letzterer kommt erst zum Schluss an Bord, schließt die Tür und zitiert freundlich grüßend auf dem kurzen Weg ins Cockpit beinahe im Plauderton alle notwendigen Sicherheitsbestimmungen, kleine Scherze inklusive. Schließlich gibt es auch hier Vielflieger.

 

Am Terminal und später auf der Startbahn des internationalen Glasgower Flughafens wirkt der weißlackierte kleine Flieger ein wenig wie ein beschaulicher, aber ausgesprochen mobiler, sehr flugtüchtiger und zuverlässiger Anachronismus. Knapp eine Stunde dauert es, dann nähert er sich dem Flughafen von Barra. Wer erstmalig diese Region im Nordwesten Europas besucht wird verwundert zur Kenntnis nehmen, dass es hier Unmengen von weißen Sandstränden gibt. Dazu türkisblaues Wasser karibischer Prägung, lediglich die schattenspendenden großen Blattwedel windgebeugter Kokospalmen sucht man sowohl aus der Luft als auch am Boden dann vergebens.

Und auf eine dieser pittoresken sandigen Flächen steuert der Twin Otter nun zu. Beim Blick aus dem Fenster erkennt man zunächst nur friedlich plätscherndes Wasser, das etwas Gischt produziert als es in den Sog der Propeller gerät und für nur wenige Meter auch mit den Gummireifen Kontakt aufnimmt. Der größte Teil der Landebahn besteht aus recht festem Sand, der nur wenige Stunden zuvor noch zur Gänze unter Wasser stand, aber nun durch die Sonneneinstrahlung fast betonartige Konsistenz angenommen hat. Daher ist die Landung durchaus sanft und wenig rumpelig, was bei einer unbefestigten Piste ja durchaus im Bereich des Möglichen sein könnte. Mit nur noch einem laufenden Motor fährt der Flieger zur Parkposition, Markierungshütchen werden vom Flughafenmitarbeiter aufgestellt. Die Passagiere steigen über die bordeigene Treppe aus, während der geschäftige Mann das Gepäck entlädt, auf einen Karren stapelt und zum Terminalgebäude zieht. Alles Handarbeit hier.

Das Terminal des Barra Airport liegt direkt am Dünenrand und besteht aus einem eineinhalbgeschossigen Haus mit einem kleinen Tower darüber. Zoll oder Sicherheitsbeamte gibt es nicht, zumindest treten sie nicht in Erscheinung. Dafür taucht der Mitarbeiter wieder auf, der die Bordkarten der neuen Passagiere kontrolliert und diese dann auf den kurzen Sandweg zum Flugzeug einweist. Der Start auf Sand ist dabei ähnlich unspektakulär wie die Landung und doch etwas Besonderes, eben der Start eines Linienflugs auf einer Sand- und Wasserpiste.

 

Wider Erwarten stellt sich der Flughafen dann doch nicht als Ein-Mann-Betrieb heraus, denn in der Cafeteria mit Blick über den Strand hinaus auf den Atlantik – als nächstes kommt dann Nordamerika - und natürlich auf die Landebahn arbeitet noch eine Frau, deren Aufgabe es ist, neben dem Verteilen von Heißgetränken und kleinen Snacks auch die Schlüssel der Mietwagen zu beaufsichtigen und gegebenenfalls auszugeben. Der Schlüssel passt nur aufs Zündschloss, verriegeln lassen sich die Gefährte meist nicht. „Wir sind hier auf einer Insel, jeder kennt jeden. Da wird nichts geklaut,“ kommt ihre simple, aber überzeugende Erklärung. Die Koffer übrigens warten säuberlich aufgereiht auf einer Holzbank in einer kleinen, überdachten Hütte neben dem eigentlichen Terminal.

Barra selbst ist nicht wirklich groß. Zu Fuß fast in einem Tag zu umrunden. Dies funktioniert aber nur dann, wenn man die landschaftlichen Schönheiten geflissentlich ignoriert und auch dem 384 Meter hohen Heaval, dem höchsten Berg, ausweicht. Und das fällt schwer angesichts der weiten Sandstrände, die zum längeren Verweilen einladen. Allerdings Baden bleibt den besonders hartgesottenen Zeitgenossen vorbehalten, denn die Wassertemperaturen steigen selbst im Sommer kaum über die 15 Grad Marke. Doch den steten Fluss der Wellen zu beobachten, der Weite des Horizonts zu folgen, mit ein wenig Glück auch spielende Delphine zu entdecken, verschafft ein wunderbares Gefühl der Entspannung. Die Hektik des Alltags existiert plötzlich nicht mehr. Und das nur, weil man hier über den weichen Sand spaziert, den Wind genießt und gedankenversunken die Schönheit der Steine bewundert, die Zartheit der Muscheln, die Spuren im Sand, die Möwen und Wasservögel hinterlassen haben.

Die Menschen hier, sie sind zahlenmäßig den Schafen weit unterlegen,  erscheinen noch eine Spur freundlicher als anderswo in Schottland, noch ruhiger, noch gelassener. Wohl eine Folge der inselbedingten Abgeschiedenheit. Neid, Missgunst, das sind Fremdworte im Garten der Hebriden. Stattdessen übt man sich in nachbarschaftlicher Freundschaft, Gemeinsamkeit und gegenseitiger Hilfsbereitschaft. Das klingt nach paradiesischen Zuständen, nach einem Traumjob für Dorf- oder Landpolizisten. Ist es wahrscheinlich auch, zu Gesicht bekommt man sie oder ihn eigentlich eher nicht. Stattdessen üben sich Schafe, die vielerorts frei umherlaufen, in Bewachung und Personenschutz. Von angeborener Neugier getrieben verfolgen sie morgendliche Spaziergänger auf ihrer gemütlichen Runde ohne dabei um besondere Tarnung bemüht zu sein.

 

Dies passiert selbst im Hauptort Barras, in Castlebay, im Süden der Insel, recht häufig. Den Ort als Zentrum zu bezeichnen wäre übertrieben, dennoch lebt hier der überwiegende Teil der knapp 1200 Bewohner Barras, finden sich hier die meisten Geschäfte und Läden, der Fähranleger für die Verbindung per Schiff zum Festland und zu weiteren Inseln, und das Informationsbüro für die Touristen. Zudem legt an den Klippen gleich unterhalb das Ausflugsboot an, das zur wichtigsten Sehenswürdigkeit, abgesehen von den inseleigenen Naturschönheiten, hinausfährt.

Kisimul Castle liegt recht spektakulär mitten im Hafen Castlebays. Die Überfahrt zur trutzigen, quadratischen Festung aus dem frühen 15.Jahrhundert dauert nur wenige Minuten, wie es auch der belgische Cartoonist Hergé im Tim und Struppi Abenteuer Die schwarze Insel aus dem Jahre 1937 beschreibt. Der Protagonist und sein vierbeiniger Begleiter kommen zum Showdown der Geschichte auf die Burg, die der Autor nie zu Gesicht bekommen hatte, sie aber nach Beschreibungen sehr authentisch zu skizzieren vermochte.

 

Aus dem Gälischen übersetzt bedeutet Kisimul ein Platz, an welchem Steuern zu entrichten sind, was auf eine wenigstens zeitweilige Funktion der Burg hinweist. Das Gemäuer befindet sich seit knapp 10 Jahren in der Pacht und unter der Obhut des schottischen Denkmalschutzes von Historic Scotland. Chief MacNeil, der vorherige Besitzer und Chef des gleichnamigen Clans, verpachtete Kisimul für 1000 Jahre an die Gesellschaft. Zum Jahresmietpreis von einem britischen Pfund und einer Flasche Whisky. Tim und Struppi verließen Barra ebenfalls mit dem Flugzeug, ob bei Ebbe oder Flut lässt der Comic Strip jedoch offen.

Informationen:

Schottisches Fremdenverkehrsamt

www.visitscotland.com/de

 

sowie allerlei Wissenswertes und Informatives auf der Seite

www.schottland.de

 

Regionale Infos unter:

www.isleofbarra.com

 

Anreise:

Flug mit FlyBe von vielen deutschen Flughäfen mit Umsteigen in Birmingham oder Manchester über Glasgow nach Barra

www.flybe.com

 

Autoreisende mit P&O Ferries www.poferries.de über Rotterdam nach Hull, dann weiter über Glasgow nach Oban, dem Tor zu den Western Isles; von dort aus verkehren die Fähren der Caledonian MacBrayne teilweise direkt, teilweise über die ebenfalls sehenswerten Inseln Coll und Tiree

www.calmac.co.uk

 

Unterkunft:

Das westlichste Hotel Großbritanniens, das Isle of Barra Beach Hotel,  liegt sehr schön an einer langgestreckten Bucht mit wundervollen Ausblicken auf den Sonnenuntergang über dem Atlantik

www.isleofbarrahotel.co.uk

 

Daneben gibt es auch einige B&Bs und Pensionen.

 

Aktivitäten:

Vom Golf auf dem westlichsten Golfplatz des Vereinigten Königreichs über diverse Wassersportaktivitäten reicht das Angebot bis zum Fischen, Angeln, Wandern und Rad fahren.

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